70 % der Aufsichtsbehörden sehen FinTechs als Hochrisikosektor – Warum das die beste Nachricht für clevere FinTechs ist
05/08/2025
Die European Banking Authority (EBA) hat Ende Juli ihre aktuelle Stellungnahme zu Geldwäsche-Risiken im EU-Finanzsektor veröffentlicht. Ein zentrales Ergebnis sticht heraus: 70% der AML-Aufsichtsbehörden sehen FinTechs als hohes oder steigendes ML/TF-Risiko. Das klingt zunächst nach schlechten Nachrichten, ist aber tatsächlich eine Chance für smarte Differenzierung.
Was die EBA-Zahlen wirklich bedeuten
Die Stellungnahme zeigt klare Markttrends auf:
- 70% der AML-Supervisoren bewerten FinTechs als Hochrisiko-Sektor
- Krypto-Dienstleister haben sich seit 2022 um das 2,5-fache vermehrt
- Governance-Schwächen und unzureichende Kundenidentifizierung dominieren die Problemfelder
- Drittanbieter-Risiken werden oft unterschätzt oder unzureichend gemanagt
Diese Entwicklung überrascht nicht wirklich. Während traditionelle Banken Jahrzehnte hatten, ihre AML-Prozesse zu optimieren, sind viele FinTechs schnell gewachsen, oft schneller, als ihre Compliance-Strukturen mithalten konnten.
Warum das eine echte Marktchance ist
Wo Regulatoren Risiken sehen, entstehen gleichzeitig Differenzierungsmöglichkeiten. FinTechs, die jetzt clever in durchdachte AML-Prozesse investieren, können sich deutlich vom Wettbewerb abheben:
1. Technologie als Compliance-Turbo nutzen
Moderne RegTech-Lösungen machen AML-Compliance nicht langsamer, sondern deutlich intelligenter. KI-gestützte Risikoanalysen und smarte automatisierte Workflows können Onboarding-Prozesse deutlich beschleunigen, bei gleichzeitig besserer Qualität.
2. User Experience als echter Wettbewerbsvorteil
Die besten AML-Prozesse sind die, die Kunden als selbstverständlich empfinden. Wenn Compliance nahtlos in die Customer Journey integriert wird, entstehen Onboarding-Erlebnisse, die überzeugen statt frustrieren.
3. Skalierung durch intelligente Prozesse
Gut designte AML-Frameworks wachsen organisch mit deinem Unternehmen mit. Einmal richtig aufgesetzt, ermöglichen sie exponentielles Wachstum ohne dass die Compliance-Kosten explodieren.
Die RegTech-Warnung der EBA richtig interpretieren
Besonders spannend ist die EBA-Mahnung vor „sorglosem Einsatz innovativer Compliance-Produkte“. Die Botschaft dahinter: Technologie allein ist nicht der Heilige Gral, es braucht die richtige, durchdachte Umsetzung.
Was richtig gut funktioniert:
- KI-Systeme mit transparenten, nachvollziehbaren Entscheidungslogiken
- Automatisierung mit cleverer menschlicher Überwachung
- RegTech-Integration mit echtem End-to-End-Prozessverständnis
Was garantiert Probleme schafft:
- Black-Box-Algorithmen ohne jede Nachvollziehbarkeit
- Vollautomatisierung ohne jegliche Qualitätskontrolle
- Technologie-Einsatz ohne fundiertes regulatorisches Verständnis
Praktische Roadmap
Sofortmaßnahmen (erste 30 Tage)
Den Ist-Zustand bewerten
- AML-Risk-Assessment: Wo sind die größten Schwachstellen in deinen aktuellen Prozessen?
- Drittanbieter-Check: Welche Service Provider bringen welche Risiken mit?
- Datenqualitäts-Analyse: Wie oft führen schlechte Kundendaten zu manueller Nacharbeit?
Erste messbare Verbesserungen
- Quick Automation Wins: Einfache, repetitive Tasks automatisieren (z.B. IBAN-Validierung, Adress-Checks)
- UI-Optimierung: Onboarding-Formulare nutzerfreundlicher gestalten, weniger Abbrüche, mehr Completion
- False-Positive-Reduktion: Transaction-Monitoring-Regeln justieren, um sinnlose Alerts zu reduzieren
Mittelfristige Optimierung (3-6 Monate)
Intelligente Prozess-Architektur
- Risk-based Approach implementieren: Nicht alle Kunden gleich behandeln, Standard/Enhanced/Simplified Due Diligence je nach Risikoprofil
- AML-Kontrollen nutzerzentriert in den Onboarding-Prozess integrieren: Durch risikobasierte Abfragen, automatisierte KYC-Schritte, transparente Prüfpfade und reibungslose Einbindung von Drittanbietern
- End-to-End-Workflow: Von der ersten Kundenanfrage bis zum Ongoing Monitoring, alles aus einem Guss mit E2E-Prozess-Perspektive
Smart Technology Integration
- Explainable AI nutzen: KI-Tools, die ihre Entscheidungen nachvollziehbar machen
- Human-in-the-Loop: 80% Automatisierung für Standard-Cases, qualifizierte Bearbeitung für komplexe Fälle
- API-Integration: Nahtlose Anbindung verschiedener Datenquellen und Services
Langfristige Positionierung (6+ Monate)
Compliance als Markenversprechen
- Transparente Kommunikation: Kunden verständlich und kontextbasiert erklären, warum bestimmte Prüfungen notwendig sind (z. B. via In-App-Messages oder Self-Service-FAQs)
- Continuous Improvement: Durch regelmäßige Auswertung regulatorischer Updates, Kundenfeedbacks und interner Qualitätsmetriken (z. B. False Positive Rates, Case Resolution Time)
- Operationalisierte Benchmarks einführen – KPIs wie Time-to-Onboard, Conversion Rates und NPS gezielt messen und zur Optimierung von KYC-Workflows nutzen
Unser Fazit
Die EBA-Stellungnahme ist definitiv kein Grund zur Panik aber zeigt klaren Handlungsbedarf. FinTechs, die regulatorische Anforderungen systematisch und intelligent adressieren, schaffen eine solide Grundlage für nachhaltiges Wachstum.
Im aktuellen Marktumfeld zählt nicht nur Tempo, sondern auch Verlässlichkeit. FinTechs, die beide Eigenschaften geschickt verbinden, stärken ihre Position langfristig.
Wie gut sind eure AML-Prozesse wirklich aufgestellt?
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Quellen:
- https://www.eba.europa.eu/sites/default/files/2025-07/13ae2f94-dc04-4a50-9f24-af2808e78944/Opinion%20and%20Report%20on%20ML%20TF%20risks.pdf